HARALD FUCHS
   
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Thomas Hirsch

"Das Laboratorium des Medizinmannes"
Harald Fuchs beschäftigt sich mit mehreren Medien parallel. So entsteht seit den achtziger Jahren eine s/w-Fotoserie, bei der über ein Foto einer ethnologischen Szene die Lineamente einer Aufzeichnung aus der Nebelkammer gelegt sind. Zeichnungen, die im vielschichtigen Auftrag den Bereich der Malerei mindestens streifen, nehmen das Zueinander von Raum und flächigem Raster, auch die Verknüpfung verschiedener kultureller Erfahrungen auf.
Harald Fuchs wird 1954 in Rehau/Franken geboren, er studiert in Stuttgart und beschäftigt sich zunächst mit Zeichnung und Fotografie. Die Thematisierung wissenschaftlicher Vorgänge setzt frühzeitig ein, ist schon bei der Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen 1983 in eine bildnerische Form gebracht. Ausstellungen seiner Installationen finden u.a. in der Kunsthalle Düsseldorf (als Beitrag zur Ausstellung "Happy End", 1996), in der Bonner Kunsthalle (zur Ausstellung "Gen-Welten", 1998), in der Trinitatiskirche Köln und im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart statt.
Seit 1995 ist Fuchs Professor an der Fachhochschule Düsseldorf; 1997 erhalt er den Hermann-Claasen-Preis fur Fotografie und Medienkunst. Er intensiviert die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften. Er stellt Kontakte zum Max-Planck-lnstitut her und zu den Forschungsabteilungen an der Universitat Köln. "Zunächst war da das Interesse an den ästhetischen Erscheinungsformen, welche von der Forschung so gar nicht registriert werden", berichtet Harald Fuchs. Aber sofort kommt die grundsätzliche Reflexion über Sinn und Wirkungen der wissenschaftlichen Arbeit hinzu. Fliegen (in der riesigen Detailvergroßerung oder als Kadaver, die von Luftströmen aufgewirbelt werden, auch als Videoprojektion) stellen seit Mitte der achtziger Jahre ein wichtiges Element der Installationen dar. Überhaupt die Installationen: Vielteilige raumgreifende Arrangements, mit einfachen Mitteln hochtechnisiert anmutend, Suggestionen eines Labors, das von den Forschern Hals über Kopf verlassen wurde. Overhead-Projektoren und Videobeamer zeichnen biochemische Prozesse auf; irgendwo vielleicht ein Schriftstück, auf dem sich Zweifel über die irreversiblen Entdeckungen artikulieren.
Installationen mit einem hohen Grad an Plausibilität, häufig in Schwarzlicht getaucht. Der Betrachter verändert mit seiner Bewegung - interaktiv - die Projektionsfläche. Das Labor beschreibt eine Situation, die das Unerwartete erwartet. Fuchs zeigt aber auch Parallelen zum (Aber-) Glauben, wie er diesen selbst in Afrika, auf längeren Reisen, erkundet.
Er fotografiert die Arbeitsplätze der Medizinmänner im Kamerun. Und er läßt sich ebenso, für eine Arbeit im Kloster Bentlage, auf den dortigen Schädelschrein von 1499 ein.
"Die Installationen von Harald Fuchs lassen sich niemals einseitig in den Dienst nehmen: weder für die Kausalkette der Wissenschaft noch für religiöse Missionierung. Sie... stellen die proklamierte Unabhängigkeit beider Systeme in Frage" (M. Henatsch, Stuttgart 1999). Das sich in den Verfahren von Wissenschaft und Religion auch Analogien zum Metier des Künstlers finden, sei, als peripherer Aspekt bei Harald Fuchs, erwähnt.